Besuch der 10ten Klassen im Konzentrationslager Natzweiler-Struthof (Elsaß)

Wie jedes Jahr fuhren die 10ten Klassen am 28.10.2001 zu einer Besichtigung in das KZ Struthof. Das Lager ist einer der Brennpunkte des Grauens und des Todes (Auschwitz , Majdanek). Dort ist der Ort, wo Tausende von Menschen ermordet, gequält, gefoltert, vergast und sinnlos ausgelöscht wurden. Ein Ort des Nachdenkens und der Erinnerung an Tage, die sich nie wiederholen sollten.

Am Eingang des KZ Struthof steht ein Denkmal, das an diese Zeit erinnert. Der Künstler wollte damit eine Flamme der Erinnerung schaffen, die immer brennen sollte. Man könnte auch meinen, es ist die Flamme des Todes. Es könnte aber auch als mahnender Finger gedeutet werden.

Im Winter 1939/40 entdeckte der SS-Führer Blumberg in der Nähe des Bauernhof Struthof, ein Vorkommen des seltenen roten Granits. Er beschloss ein KZ Lager zu errichten um den Granit abzubauen.

Das Lager wurde im Mai 1941 errichtet und geschlossen wurde es im September 1944. Es liegt 8 km vom Bahnhof Rothau entfernt auf einem Gipfel der Vogesen in ca. 800 m Höhe. Das Lager wurde in 17 Baracken aufgebaut. Eine dieser Baracken von 12 m Breite und 44 m Länge, war für 150 – 250 Häftlinge geplant. Tatsächlich wurden aber 650 – 750 Menschen in einer einzelnen Baracke eingepfercht.

Das gesamte Lager war für 1500 Häftlinge geplant. Jedoch waren im September 1944, 7000 – 8000 Häftlinge im Lager. Die Gebäude des KZ, sowie sämtliche Straßen mussten von den Häftlingen selbst gebaut werden. Vielen Menschen kostete dies das Leben. Jeder ankommende Häftling bekam ein Erkennungszeichen. Dies war ein Dreieck in verschiedenen Farben, je nach Zuordnung: politische Häftlinge (rotes Dreieck), Assoziale (schwarzes Dreieck), Gemeinverbrecher (grünes Dreieck), Juden (gelbes Dreieck), Juden im Widerstand (rot-gelbes Dreieck) und Homosexuelle (rosa Dreieck).

Die Belehrung für Neuzugänge war wie folgt: Auf Grund eurer Vergehen und Vorstrafen, auf Grund eurer feindlichen Einstellung dem deutschen Volk gegenüber, hat man euch in das Konzentrationslager gebracht. Das deutsche Volk lehnt euch ab und hat euch isolieren lassen. Ein KZ ist kein Sanatorium und kein Erholungsheim, sondern ein Isolierungslager, ein Umschulungslager und ein Arbeitslager. Geleitet wird das Lager durch Angehörige der Waffen-SS.

Wer die Anweisung eines Vorgesetzten nicht befolgt, sich schlecht führt, schlechte Arbeit leistet, wird bestraft. Wir kennen die Verwarnung, die leichte Strafe (Sonntagsarbeit, Torstehen), sowie die schwere Strafe (verschärfter Arrest, Stockhiebe) oder die Verlegung in den Strafblock. Das betreten der neutralen Zone, sowie das Überschreiten der Postenkette ist verboten und mit Lebensgefahr verbunden. Der Drahtzaun ist elektrisch geladen und das Berühren der Drähte führt den Tod herbei. Die auf den Arbeitsstellen und auf den Türmen haben strenge Anweisungen, bei dem geringsten Fluchtversuch, ohne vorherigen Anruf von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. Wer durch Fluch von hier fortkommt, so rate ich ihm, vorher mit seinem Leben abzuschließen, denn bisher sind alle zurückgebracht worden.

Nach einem kräfteraubenden Transport im Viehwagen kamen die Neuankömmlinge im KZ Struthof an. Gleich darauf wurden ihnen ihre persönlichen Gegenstände abgenommen und sie wurden mit Häftlingskleidern versehen. Die Köpfe wurden ihnen geschoren – die Haare wurden an eine Filzfabrik verkauft. Die Goldfüllungen der Zähne wurden ihnen auch genommen. Viele verübten schon in der ersten Nacht Selbstmord. Im Lageralltag hieß es im Sommer um 4.00 Uhr aufstehen, im Winter um 6.00 Uhr. Danach waschen mit eiskaltem Wasser, dann bekamen die Häftlinge einen halben Liter Ersatzkaffee oder Tee oder eine dünne Gries- oder Sägemehlsuppe (letzteres bestand aus einem undefinierbaren Material, dessen Natur den Häftlingen bis zu Schluß ein Rätsel blieb). Darauf folgte der fürchterliche Morgenappell. Alle mussten zugegen sein. Sowohl die Kranken, die Sterbenden und die Toten. Diejenigen, die zu schwach waren, mussten von ihren Kameraden getragen oder gestützt werden. Der Appell dauerte manchmal stundenlang und die Bedauernswerten waren gezwungen, im Stillstand stehen zu bleiben. Bei Kälte, Wind und Regen, in einer vollkommen unzureichenden Bekleidung. Danach wurden die Häftlinge in verschiedene Arbeitsgruppen eingeteilt: Straßenbau, Steinbruch, Kiesgrube, Wasserleitungsbau, Reparaturwerkstätten usw.

Am Mittag erhielten sie unter fürchterlichen Bedingungen, bei einer kurzen Pause, ¾ l Suppe. Danach wurde gearbeitet bis in die Nacht. Es folgte der Abendappell, der genau so schrecklich war wie der Morgenappell. Alles musste zahlenmäßig stimmen. Kranke, Tote und noch lebende waren anwesend. Wer bei Fluchtversuch, Diebstahl oder Sabotageverdacht erwischt wurde, kam in die Strafkompanie.

Die Strafkompaniehäftlinge mussten die schwersten und schmutzigsten Arbeiten verrichten. Sie durften nie ausruhen. Sie mussten länger arbeiten als die anderen und bekamen weniger Essen. Jede Schlechtigkeit, jede Schikane, die diesen Peinigern einfiel war gegen die Strafkompaniehäftlinge erlaubt. Die meisten Strafen waren sehr oft unbegründet. Die Häftlinge waren tagelang eingesperrt (Bunker), zu zweit oder zu dritt in Räumen, in denen man nicht stehen und nicht liegen konnte.

In dem KZ wurden auch medizinische Versuche durchgeführt, die viele Häftlinge in den Wahnsinn und in den Tod trieb. Professor Hirt gebrauchte sie als Versuchskaninchen. Bevorzugt waren Polen, Russen, Zigeuner und Juden. Ihnen wurde mit einem einzigen Tropfen Senfgas ein ganzer Arm verseucht und nach etwa 10 Tagen entstanden schreckliche Brandwunden, welche sich auf den ganzen Körper ausdehnten. Die Häftlinge erlitten unausstehliche Schmerzen. Einige wurden blind. Man stellte später fest, dass ihre Lungen verbrannt waren. Von der Gaskammer im KZ Struthof, die etwas entfernt vom Lager liegt, weiß man, dass hauptsächlich Erstickungsgase und Lähmungsgase als Tötungsmittel gebraucht wurden. Es gab ein Fenster, um z.B. die Reaktion der Häftlinge beim Einströmen des Gases beobachten zu können. Die ersten Opfer dieser Gaskammer waren Frauen. In einer der Baracken steht ein Verbrennungsofen, in dem die Leichen verbrannt wurden. Man hatte sogar Leichen auf der Treppe zum Keller gestapelt. Sie waren Brennmaterial um den Wassertank zu heizen für die Duschen der Aufseher. In diesem Raum wurden jedoch nicht nur Menschen verbrannt, es wurden auch etliche erhängt oder mit Genickschuß oder Spritze getötet. Man berichtete den Angehörigen der Häftlinge, dass der Häftling durch Fluchtversuch oder Krankheit ums Leben gekommen sei und dass man seine Asche in einer Urne für 100 Reichsmark bekommen könnte. In dieser Urne war aber nicht die Asche des Verstorbenen, sondern irgend etwas anderes.

Wie bisher bekannt ist, gab es viele Fluchtversuche und ein einziger Häftling hat es jemals geschafft. Er hat sich nämlich mit seinen Freunden in der Wäscherei Uniformen geklaut und konnte somit mit einem Fluchtfahrzeug fliehen. Seine Freunde wurden gefasst.

Belehrung für Entlassung: Diese Entlassung erfolgt jedoch probeweise. Jede Beschäftigung ist anzunehmen. Wir kennen keine Arbeitslosigkeit, im Gegenteil, bei uns herrscht Arbeitskräftemangel. Wer unverschuldet in Not gerät wird unterstützt durch die Organisationen NSF, Wohlfahrt. Wer dennoch gegen das deutsche Volk arbeitet und vielleicht außer Lande flieht, den warnen wir. Wir holen uns jeden einzelnen zurück. Über das Lager selbst habt ihr mit niemandem zu sprechen, sei es im Guten oder im Schlechten. Man trägt euch nicht nach, dass ihr im Konzentrationslager wart. Wie verbitten es uns, dass ihr über die Einrichtung des Lagers sprecht. Alle Freundschaften, die ihr im Lager geschlossen habt, sind abzubrechen.